N. Ibrahim Mohammed (C 1) aus Kurdistan/Irak: Exkursion ins Steinkohlekraftwerk Altbach/Deizisau

20/06/2011 at 7:13 pm Hinterlasse einen Kommentar

Wir waren 21 Sprachkursteilnehmer und 3 begleitende Lehrer.

Nach ca. 35-minütiger Fahrt sind wir um 14.20 Uhr in Altbach angekommen. Wir gingen gemeinsam durch einen Park, der dem Erbauer des ersten Kraftwerks in Altbach (Heinrich Mayer) gewidmet ist, bis zum Eingangsbereich des Kraftwerks. Dort wurden wir von der EnBW-Mitarbeiterin Frau Petrasch herzlich empfangen.

Am Anfang der über 3-stündigen Führung sahen wir einen Film über Stromerzeugung. Danach erhielten wir in einem Vortrag ausführliche Informationen über nachhaltige Energie und über die unterschiedlichen Arten der Stromerzeugung durch die EnBW. Wir erfuhren, wo überall in Baden-Württemberg sich EnBW-Standorte befinden.

Frau Petrasch meinte, in Zukunft werde die Stromnutzung anders aussehen. Wir würden Strom dann nutzen müssen, wenn viel vorhanden sei. Es werde dann intelligentere Geräte geben. Unsere Waschmaschine fange dann an zu waschen, wenn Photovoltaik-Anlagen viel Strom produzieren, z.B. mittags.

Wir gingen weiter zu einer Standortmodellanlage, wo uns das Stromnetz und das Kohlekraftwerk in seinen Bauteilen erklärt wurde. Wir erfuhren, dass der Neckar früher nicht so gerade war, wie er heute ist. Damit nicht nur kleine Boote/Schiffe, sondern auch große auf ihm fahren konnten, wurde der Neckar im Jahr 1920 begradigt und zu einer Zufahrtsstraße ausgebaut. Zwischen Mannheim und Plochingen wurden 27 Schleusen gebaut und fast alle Schleusen haben ein kleines Wasserkraftwerk.

Das Kraftwerk trägt den Namen von beiden Gemeinden Altbach und Deizisau, weil die Anlage auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden steht. Da in der Nähe viele Wohngebiete liegen, hat man versucht, die Anlage so ansprechend wie möglich zu gestalten und Wert auf viele Bäume/Grünanlagen gelegt.

Bei Butterbrezeln und Getränken hörten wir einen sehr interessanten Vortrag über die Funktionsweise des Kraftwerks. Vor dem Rundgang durch die Kraftwerksanlage wurden wir dann mit Schutzhelm, Kopfhörer und Empfänger ausgestattet.

Nachdem wir hinausgegangen waren, wurde uns eine alte Turbine gezeigt, dann ging es weiter zum Kühlturm. Im Kühlturm sind viele Ventilatoren angebracht, um den Wasserdampf herunterzukühlen. Dann sahen wir, wo die Kohlewaggons entladen werden. 80 % der Kohle kommen mit dem Zug ins Kraftwerk Altbach/Deizisau. Laut Frau Petrasch werden jeden Tag 5 volle Kohlezüge mit 20 Waggons verbraucht. In jedem Waggon sind 50 Tonnen Kohle.

Wir gingen weiter zu einem der beiden hohen Türme (ca. 250 m und damit höher als der Fernsehturm). Wenn man von unten nach oben schaute, sah es durch eine optische Täuschung so aus, als ob der Turm gleich umfallen würde. Danach gingen wir weiter zu den Halden, wo die Kohle gelagert und weiterverarbeitet wird. Frau Petrasch hat uns erklärt, wie die Kohle gemahlen und verbrannt wird, um den Kessel zu erwärmen. Der Kessel ist nicht am Boden angebracht, sondern aufgehängt und oben mit großen Schrauben befestigt, so dass er um ca. 50 bis 70 cm ausgedehnt werden kann, wenn er heiß wird. Anschließend fuhren wir in einem speziellen Aufzug in den letzten Stock, damit wir von oben in den Kessel hineinschauen konnten, und zwar durch einen Gang, der sich direkt über dem Kessel befindet. Dort herrschten Temperaturen von über 45 °. Das zweite, was nicht jedermanns Sache war, war der Boden, der in allen Stockwerken aus einem Gitter/Lochblech bestand, so dass man 70 m in die Tiefe schauen konnte. Wir gingen über das Gitter bis aufs Dach des Hauses, von dem man einen wunderschönen Ausblick hatte. Man konnte die Umgebung sehr schön betrachten. Weil einige Teilnehmer sehr fasziniert waren, haben sie den schönen Blick mit ihren Handys/Kameras zur Erinnerung festgehalten.

Endlich sind wir im eigentlichen Herzstück der Anlage, dem „Turbinenhaus“ angekommen. Frau Petrasch hat uns erklärt, dass der im Kessel erzeugte heiße Wasserdampf über eine Turbine geleitet wird. Der Generator, der über eine Welle mit der Turbine verbunden ist, wandelt die Bewegungsenergie in elektrische Energie um. Der so entstandene Drehstrom wird über eine gut isolierte dicke Leitung zum Transformator geschickt.

Dann gingen wir noch weiter zur Leitzentrale, wo insgesamt 9 hochqualifizierte Mitarbeiter ihren Dienst versehen. Von dieser Leitzentrale wird die ganze Kraftwerksanlage überwacht und gesteuert, was ein sehr komplexer Job ist. Man muss sehr wachsam sein und auch schnell Entscheidungen treffen können. In der Leitzentrale wird in 5 Schichten rund um die Uhr gearbeitet. Insgesamt arbeiten im ganzen Kraftwerk Altbach/Deizisau 200 bis 250 Mitarbeiter.

Danach ging es mit dem Aufzug wieder ganz nach unten vor den Transformator, der bis zu 400.000 Volt Spannung erzeugt und diese über Nah- und Fernleitungen in das deutsche und europäische Verbundnetz einspeist. Über Verteiler kommt der Strom dann auch in unsere Haushalte.

Am Ende haben wir uns herzlich bedankt für diesen sehr informativen Rundgang und uns auf den Heimweg gemacht.

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